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Willkommen
in die Welt von Geneviève Van der Wielen.
Eine Welt junger heiratsfähiger Töchter, Jugendlicher, die als
Engel oder Cupido verkleidet sind, Frauen in reiferen Jahren und Männer
oder Geliebte mit Schnurrbärten.
Jedes Gemälde ist eine Szene, wo sie ein Stück der Komödie
(oder der Tragödie) des Lebens und der menschlichen Natur spielen.
Geneviève Van der Wielen schöpft aus ihrer Erfahrung und aus
der Beobachtung der Welt, die uns umgibt, um mit der Verschiebung des
Humors und der Allegorie eine Illustration unserer Widersprüche,
unserer Schwächen, schöner und hässlicher Seiten unserer
Persönlichkeit wiederzugeben...
Schauen Sie 'La
Marionnette' (Die Drahtpuppe) an: die junge Frau zieht die Fäden
ihrer Beziehung mit ihrem Geliebten, den sie nach Gebrauch wegwirft; schauen
Sie 'L'Aspirateur'
(Der Staubsauger) an: der Macho Mann hat hier gewonnen und die Frau findet
sich auf eine Art Haussklaverei reduziert; schauen Sie 'Paternité'
(Vaterschaft) an, das wahrscheinlich aussagekräftigste Gemälde
über die väterliche Zärtlichkeit. Betrachten Sie das Gesicht
der Braut in 'Ibiza'
genau, und Sie werden den Geist von Geneviève Van der Wielen begreifen.
Andere Bilder werden an die grausame Unschuld der Kindheit, den Übergang
der Kindheit zum erwachsenen Alter erinnern, oft mit einem Hintergrund
diffuser Erotik.
Einige Gemälde finden ihre Inspiration in aktuellen gesellschaftlichen
Ereignissen. Die herrliche 1996 'Pietà',
wo die Figur der Mutter in einer ganz barock verdrehten Stellung dargestellt
ist, ist von dem tragischen Verbrechen des Pädophilen Dutroux inspiriert
worden. 'Alzheimer'
erinnert uns an die Abscheu vor den Gebrechen am Lebensende. Die 'Journée
des femmes' (Frauentag) illustriert den Widerspruch zwischen der
offiziellen Rede über den Platz der Frau und der erlebten Wirklichkeit
(Geschlechtsvorherrschaft mit oder ohne religiösem Hintergrund).
Wieder andere Gemälde sind wie Hinweise zur Kunstgeschichte: 'Fontainebleau',
eine Neubetrachtung des Bildnis von Gabrielle d'Estrées, oder 'St
Sébastien' (Sankt Sebastian), eine originale Interpretation
des großen Thema der gotischen und Renaissance Kunst: wir erhaschen
wie einen wissenden Blick zwischen dem jungen auf Besuch im Museum Bogenschützen,
(aber war es er, der die Pfeile abgeschossen hat?) und Sankt Sebastian,
der für einen Moment seinen schmerzhaften oder ekstatischen Ausdruck
verloren hat.
Haben Sie bemerkt, dass alle jungen Mädchen ähnliche Gesichter
haben? Sie sehen eigentlich alle wie Geneviève Van der Wielen selbst
aus, die sich dadurch als Beispiel der Kraft und der Schwäche unserer
Menschheit anbietet.
Obwohl Öl auf Leinwand der herausragende Teil des Werkes von Geneviève
Van der Wielen ist, ist ihre Produktion schwarz-weißer Zeichnungen
ebenfalls sehr wichtig. Dasselbe Thema wird also in mehreren Weisen behandelt,
in mehreren Zuständen von Zeichenkohle auf Papier bis mit Ölfarben
auf Leinwand.
Die Wirksamkeit der Arbeit von Geneviève Van der Wielen ist die
Frucht der Kombination einer verständlichen klarer Linienführung
verbunden mit der geschickt angestellten Anordnung von Formen und Farben,
sowie der Fantasie, die in ihrer Maltechnik das für den Ausdruck
ihrer Sensibilität notwendige Relais findet.
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